Einfach mal sitzen bleiben und in die Ferne schauen. Den Kopf leer werden lassen. Sich selbst Raum geben. Ruhe einkehren lassen und neue Perspektiven gewinnen. Sich mit anderen Mamas austauschen, mit Experten über die eigenen Sorgen sprechen, wieder sportlich in Bewegung kommen, kreativ werden oder mal ganz bewusste Zeit mit den Kindern verbringen. Für viele Mütter ist genau das im Alltag kaum möglich. Die permanente Mehrfachbelastungdurch durch Familie, Erziehung und Job kann körperlich und seelisch an die Substanz gehen. Viele Mütter sind erschöpft. Eine Mütterkur oder Mutter-Kind-Kur kann dabei helfen, neue Kraft zu schöpfen und wieder besser auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Doch wie funktioniert die Beantragung eigentlich? Wer hat Anspruch auf eine Kur und welche Schritte sind dafür notwendig?
Wir zeigen Dir Schritt für Schritt, wie Du eine Kur beantragen kannst und was Du dabei beachten solltest.
Eine Kur – Dein gutes Recht
Das Müttergenesungswerk (MGW) setzt sich seit über 75 Jahren für Mütter ein: Durch Information, Aufklärungsarbeit, Beratung und ganz konkret durch finanzielle Unterstützung für Kuren für einkommensschwache Mütter. Traditionell nimmt das MGW den Muttertag oder auch die Woche der Müttergesundheit Ende September zum Anlass, gezielt auf die Nöte und den herausfordernden Alltag von Mamas aufmerksam zu machen und Spenden für Ihre wertvolle Arbeit zu sammeln. Schon gewusst? Dank des kontinuierlichen Engagements des MGW besteht heute ein rechtlicher Anspruch auf Mutter-Kind- bzw. Mütterkuren. Das ist weltweit einzigartig.
Trotzdem wissen viele Mütter gar nicht, dass ihnen eine Kur zustehen kann. Oder sie wissen zwar, dass es diese Möglichkeit gibt, haben aber keine Ahnung, wie sie einen Kurantrag stellen und eine Kur bewilligt bekommen können.
Deine Kur – wann, wenn nicht jetzt?
Den eigenen Alltag für einige Wochen hinter sich zu lassen, kann eine wertvolle Chance sein, die eigenen Akkus wieder aufzuladen. Gerade wenn die Belastungsgrenze schon länger erreicht oder überschritten ist, kann eine Kur dabei helfen, Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu sammeln.
Dafür ist es wichtig, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen und anzuerkennen, dass die eigenen Kräfte nicht unendlich sind. Denn dauerhaft nach dem Prinzip „Alle anderen zuerst“ zu leben, kann krank machen.
Während einer Kur haben Mütter die Möglichkeit, eingefahrene Strukturen und Sichtweisen zu verlassen und aus der Distanz zum gewohnten Alltag neue Perspektive zu entwickeln. Die therapeutischen Angebote finden in geschützten Gruppen statt und werden individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt.
Auch die Kinder sind während einer Mutter-Kind-Kur gut versorgt: In den Kliniken gibt es Betreuungsangebote. Je nach Klinik werden außerdem schulbegleitender Unterricht und Betreuung bei den Hausaufgaben angeboten.
Doch wie kommst Du nun konkret zu Deiner Kur?
Schritt 1: Lass Dich gut beraten
Der erste Weg kann zu einer Beratungsstelle des MGW-Verbundes führen. In ganz Deutschland beraten Fachkräfte unter anderem bei der AWO, der Caritas, der Diakonie, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Paritätischen. Die Beratung ist individuell und kostenlos. Die Mitarbeiter*innen beantworten Deine Fragen rund um die Kur und unterstützen Dich unter anderem beim Kurantrag, bei der Klinikauswahl und beim sogenannten Wunsch- und Wahlrecht.
Eine Beratungsstelle in Deiner Nähe findest Du unter www.muettergenesungswerk.de/beratung.
Schritt 2: Hol Dir Dein ärztliches Attest
Für den Antrag auf eine Mütterkur oder Mutter-Kind-Kur benötigst Du ein medizinisches Attest. Dieses stellt Dir Deine behandelnde Ärztin oder Dein behandelnder Arzt aus. Soll Dein Kind während der Kur ebenfalls medizinisch behandelt oder therapeutisch betreut werden, ist dafür zusätzlich ein eigenes Attest für das Kind erforderlich. Ohne ein solches Attest fährt das Kind lediglich als Begleitperson mit und erhält keine eigenen Behandlungen oder Therapien.
Die notwendigen Verordnungsformulare für Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter-, Mutter-Kind-, Väter- und Vater-Kind-Kuren liegen den Arztpraxen vor. Weitere Informationen zum Ausfüllen der Atteste stellt das MGW für Ärztinnen und Ärzte unter www.muettergenesungswerk.de/arztpraxis bereit.
Schritt 3: Bereite Deinen Kurantrag vor
Mit Deinem ärztlichen Attest geht es zurück zur Beratungsstelle. Dort erhältst Du Unterstützung bei der Antragstellung und reichst die medizinischen Unterlagen zusammen mit Deinem Kurantrag ein. Dabei wird auch geklärt, welche Form der Kur für Dich am besten geeignet ist: eine reine Mütterkur (Du allein) oder eine Mutter-Kind-Kur (Du mit Deinem Kind/Kindern).
Auch die finanzielle Situation kann bei der Beratung eine Rolle spielen. Der gesetzliche Eigenanteil für die Kur beträgt 220 Euro. Wenn Du Schwierigkeiten hast, diesen Betrag aufzubringen, kann die Beratungsstelle prüfen, ob eine finanzielle Unterstützung aus Spendengeldern des Müttergenesungswerks möglich ist.
Schritt 4: Finde Deine passende Klinik
Welche Klinik die richtige für Dich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Natürlich kann die Lage eine Rolle spielen: Möchtest Du lieber ans Meer, in die Berge oder in eine andere Region? Noch wichtiger können jedoch die medizinischen und therapeutischen Schwerpunkte der Klinik sein. Viele Einrichtungen sind auf bestimmte Indikationen spezialisiert.
Auch andere Fragen können bei der Entscheidung helfen:
- Möchtest Du lieber in einer kleinen oder größeren Klinik untergebracht sein?
- Ist Dir eine konfessionelle Einrichtung wichtig?
- Möchtest Du möglichst weit weg von Deinem Alltag oder lieber in der Nähe bleiben?
- Möchtest Du die Mahlzeiten gemeinsam mit Deinem Kind einnehmen?
- Suchst Du eine reine Frauenklinik oder eine Einrichtung, in der auch Väter behandelt werden?
Die Berater*innen des MGW-Verbundes unterstützen Dich bei der Auswahl einer geeigneten Einrichtung. Eine Übersicht findest Du auch im Klinikverzeichnis des Müttergenesungswerks.
Wichtig: Du hast bei der Auswahl der Klinik ein Wunsch- und Wahlrecht. Mach davon Gebrauch und besprich Deine Wünsche am besten frühzeitig mit Deiner Beratungsstelle.
Schritt 5: Reiche Deinen Kurantrag bei Deiner Krankenkasse ein
Ist der Antrag vollständig, wird er mithilfe der Beratungsstelle an Deine Krankenkasse weitergeleitet. Sie entscheidet darüber, ob die Kur bewilligt wird. Das ärztliche Attest wird in vielen Fällen direkt von der Arztpraxis elektronisch an die Krankenkasse übermittelt.
Und was passiert, wenn die Krankenkasse Deinen Antrag ablehnt?
Dann musst Du nicht gleich aufgeben! Die Berater*innen des Müttergenesungswerks können Dich auch beim Widerspruch gegen eine abgelehnte Kur unterstützen. Das kann sich lohnen: Laut MGW-Datenreport 2023 waren 78 Prozent der Widersprüche, die mithilfe einer MGW-Beratungsstelle eingelegt wurden, erfolgreich.
Schritt 6: Auf zur Kur
Ist Dein Kurantrag bewilligt, kann die Erholung beginnen. Jetzt darfst Du Dir die Zeit nehmen, die im Alltag häufig zu kurz kommt: für Dich, Deine Gesundheit und Deine Bedürfnisse. Nutze die therapeutischen Angebote, komm mit anderen Müttern ins Gespräch, probiere neue Dinge aus und gönn Dir bewusst Pausen. Denn eine Kur ist nicht einfach nur eine Auszeit. Sie kann Dir dabei helfen, neue Perspektiven zu entwickeln und langfristig wieder besser mit den Anforderungen des Alltags umzugehen.
Auch nach der Kur bist Du nicht auf Dich allein gestellt. Die Beratungsstellen des Müttergenesungswerks bieten Nachsorgeangebote an, die Dich dabei unterstützen können, die positiven Veränderungen und neuen Impulse aus der Kur in Deinen Alltag mitzunehmen.
Ist eine Kur das Richtige für Dich?
Du bist noch unsicher, ob Du eine Kur brauchst? Dann kannst Du den kostenlosen Kurtest des Müttergenesungswerks machen. Er kann Dir dabei helfen, Deine persönliche Situation besser einzuschätzen.
Weitere Informationen rund um die eigene Kur, den Ablauf und wichtige Fragen findest Du auf der Informationsseite des Müttergenesungswerks.
Auch umfangreiches Informationsmaterial zum Müttergenesungswerk und seinen Angeboten steht kostenlos zum Download bereit.
Zeit für Dich ist keine Selbstverständlichkeit – sondern wichtig
Mütter kümmern sich jeden Tag um andere. Umso wichtiger ist es, die eigenen Bedürfnisse nicht dauerhaft hintenanzustellen.
Wenn Du merkst, dass Deine Kräfte nachlassen, solltest Du das ernst nehmen. Eine Kur kann ein wichtiger Schritt sein, um wieder aufzutanken, neue Kraft zu gewinnen und mit etwas Abstand auf den eigenen Alltag zu schauen.
Denn für andere da zu sein, funktioniert am besten, wenn Du auch gut für Dich selbst sorgst.
Eine für alle und alle für Eine
LAUFMAMALAUF unterstützt seit Jahren die wichtige Arbeit des Müttergenesungswerks. Unter dem Motto „von Mamas für Mamas“ kannst auch Du Dich für Mütter, die gerade am Ende ihrer Kräfte sind, engagieren – mach mit bei der großen LAUFMAMALAUF-Spendenaktion im September oder tätige jederzeit eine direkten Spende. Schon mit 10 Euro ermöglichst DU einer erschöpften Mutter einen stärkenden Tag in der Kur.
Wir wünschen allen Kurbedürftigen die Kraft, jetzt eine Kurbeantragung in Angriff zu nehmen und allen, die unterstützen möchten, rufen wir zu: SPENDET ans Müttergenesungswerk!
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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung des




